Der Gerechte vertraut auch in seinem Tod.    Sprüche 14,32                     

Ein gläubiger Familienvater wurde durch einen Unfall schwer verletzt. Er wusste, dass er die Erde verlassen würde, und nahm Abschied von den Seinen:

„Auf Wiedersehen, meine geliebte Frau ... Wir sind durch Gottes Güte lange zusammen ge­wandelt. Er wird mich zu sich nehmen: Auf Wie­dersehen, dort oben ...

Auf Wiedersehen, mein Sohn A. Du liebst den Herrn Jesus, von dem dir deine Eltern erzählt haben. Wachse weiter in seiner Gnade ...

Auf Wiedersehen, mein liebes Kleinstes, du hast dein Herz schon dem Herrn geschenkt, zu unserer großen Freude."

Der Verletzte fuhr fort: „Adieu, Karl, du hast den breiten Weg gewählt; du hast nicht auf die Lehren des Wortes geachtet. Wir haben dich geliebt, und ich liebe dich immer noch und sage dir: Adieu!" Karl nahm die Hand seines Vaters. „Warum hast du zu den anderen ,Auf Wieder­sehen` gesagt und zu mir ,Adieu`?" - „Das musst du verstehen. Ich bin sicher, sie wieder zu sehen. Aber dich? Wenn du dich weiter von Gott ab­wendest, habe ich keine Hoffnung, dich an dem Ort wieder zu sehen, wohin ich jetzt abgerufen werde."

Tief bewegt kniete der junge Mann am Bett nieder, ohne die Hand des Vaters loszulassen. Noch einen Augenblick kämpfte er mit sich, dann hörte man seine Stimme, zunächst stockend. Er flehte den Herrn an, dass Er doch seine Gleich­gültigkeit brechen und ihm seine Schuld verge­ben möge.

„Ist es dir ernst?", fragte der Vater, dessen Kräfte nachließen. „Ja! Gott weiß es." - „Dann weiß ich, dass Er dich erhören wird. Auf Wieder­sehen, Karl!"

 

Da stand er, der alte, unansehnliche Hocker, mitten in einer Umgebung, die vor Sauberkeit nur so blitzte und blinkte. Seine Eigentümerin war die alte Frau Winterfeld, und zwischen ihr und dem Hocker bestand eine Art Freundschaft. Darum konnte sie trotz ihrer wiederholten Äußerungen, das alte Stück habe ausgedient, sich doch nicht entschließen, ihn wegzuwerfen. Schon als Kind hatte sie darauf gesessen, und ihr Leben lang hatte sie ihn benutzt. Er war geschrubbt und gescheuert, zu­sammengeleimt und ‑genagelt worden, bis er überall die Spu­ren seines Alters zur Schau trug. ‑

Jeder in der Nachbarschaft wusste, dass die alte Frau Winter­feld sozusagen die Ordnung in Person war, aber nicht nur die Ordnung, auch die Ehrbarkeit und Tugend. »Man soll mir nichts nachsagen können«, war ihre Parole. Darüber hinaus war sie außerordentlich religiös. Wer sonst ließ sich niemals vom Kirchgang abhalten, weder durch Frost noch Hitze, Schnee oder Regen? Es wäre undenkbar gewesen, dass die Kir­chenglocken aufgehört hätten zu läuten, bevor Frau Winterfeld still und andächtig den geweihten Raum betreten hatte. Und wenn erst der Gottesdienst begann, gab es wohl kaum eine auf­merksamere Zuhörerin als sie. Mit wichtigem Gesichtsaus­druck nickte sie zuweilen zustimmend, oder sie seufzte tief auf, wenn in der Predigt etwa die Sünden der gegenwärtigen mo­demen Zeit zur Sprache kamen. Es kam ihr überhaupt nicht in den Sinn, dass die Predigt auch sie angehe.

»Das könnte mir nie passieren«, war eine ihrer beliebtesten Feststellungen, wenn ihr jemand in der Nachbarschaft etwas Negatives über einen anderen zutrug. Und dann wusste sie dem Gespräch eine solch geschickte Wendung zu geben, dass der andere den Eindruck gewinnen musste: Es gibt weit und breit niemand, der mit solchem Eifer für die gute Sache eintritt, so opferwillig und hilfsbereit ist, dabei auch so bewandert in der Bibel, wie eben Frau Winterfeld.

»Ich will mich gar nicht selber loben«, konnte sie etwa sagen, »und ich weiß wohl, dass wir alle Sünder sind, aber eigentlich muss der liebe GOTT doch mit mir zufrieden sein.«

Eines Tages ergab es sich, dass ein Missionar Frau Winterfeld in ihrer kleinen, sauberen Wohnung besuchte. Erfreut begrüßte sie den Gast und gab mit vielen Worten zu erkennen, wie ge­ehrt sie sich fühle, dass er gerade zu ihr gekommen sei, obwohl sie doch nur in so bescheidenen Verhältnissen lebe. Der Mis­sionar kam gar nicht zu Wort, denn in ihrem Redeschwall wusste sie alle ihre Vorzüge geschickt zu erwähnen. Es war ein ganzer Katalog an guten Werken, bitteren Opfern und rühmli­chen Verdiensten, den sie ihrem Besucher präsentierte.

Der Fremde hörte lange Zeit ruhig zu, bis sie endlich eine Pau­se machte. Sie erwartete nun ohne Zweifel ein Wort der Aner­kennung; aber er hob nur seine Hand auf und deutete auf den alten, wurmstichigen Hocker, der an der Wand neben dem Ofen stand. Er wollte etwas sagen, aber Frau Winterfeld kam ihm zuvor: »Ach, nicht wahr, Sie wundem sich, solch ein Mö­belstück in meiner Wohnung zu finden. Es stimmt, es ist ein elendes, abgenutztes Ding. Ich habe es schon oft gesagt, es taugt zu nichts, als verbrannt zu werden.«

Da schaute der Besucher ihr mit ernstem Blick ins Angesicht; sein Finger zeigte noch immer auf den Hocker, und langsam, aber mit Nachdruck sprach er: »Sie sagen, er tauge zu nichts, als weggeworfen zu werden. Frau Winterfeld, vor GOTT sind auch Sie nicht besser dran als jener alte Hocker.«

Es ist nicht möglich, den Eindruck zu beschreiben, den diese Worte machten. Sie rang nach Atem. Hatte sie wohl falsch ge­hört? Nein ‑ der Finger deutete noch auf den alten Hocker, und der Gesichtsausdruck ihres Gastes, so ernst und doch so liebe­voll, ließ keinen Zweifel aufkommen. Was er gesagt hatte, meinte er auch so. Ihr Stolz war aufs Empfindlichste verletzt. Sie hatte etwas so ganz anderes erwartet. Wie konnte er nur so zu ihr reden?

Sie wollte etwas sagen, aber der Besucher hatte wahrgenom­men, dass seine Worte ihr Innerstes getroffen hatten, und ver­abschiedete sich, ehe der Zorn, der aus den Augen der alten Frau sprühte, sich in Worten entlud.

Die Anne konnte ihren Zorn nicht für sich behalten. Auf der gleichen Etage wohnte eine stille Witwe, die stets bereit war, zu helfen und zu trösten. Zu ihr nahm Frau Winterfeld ihre Zu­flucht und erzählte, was ihr soeben begegnet war. »Du kennst mich doch schon lange und weißt, wie tadellos ich immer ge­lebt habe. Und nun kommt da dieser Fremde her und sagt mir, ich sei nicht besser dran als der hässliche, alte Hocker. Oh, ich bin ganz krank vor Ärger! «

Die Nachbarin hörte ruhig zu, sie fühlte inniges Mitleid mit der armen, aufgeregten Frau. Sie konnte nur im Stillen für sie be­ten, dass der Sturm, der in ihrem Herzen tobte, das Gebäude der Selbstgerechtigkeit umwerfen möchte, damit etwas völlig Neues entstehen könne. Frau Winterfeld blieb noch lange bei ihrer Nachbarin. Endlich musste sie aber doch hinübergehen. Sie eilte in ihre Wohnung, verrichtete rasch ihr Abendgebet und hoffte, im Schlaf bald alles zu vergessen. Doch sie war zu aufgewühlt, um einzuschlafen. Immer tönte es in ihren Ohren: »Sie sind nicht besser dran als jener alte Hocker!«

Sie zog sich die Decke übers Gesicht, um die Schreckensbilder zu verscheuchen, die sie vor sich sah. Aber immer eindringli­cher klang es in ihrem innerm: »Du bist dein Leben lang eine Heuchlerin gewesen, hast dich und andere getäuscht. Du taugst zu nichts, als weggeworfen zu werden, wie dein alter Hocker.« Endlich war sie so weit, dass sie ruhig liegen blieb und der Stimme ihres Gewissens Gehör schenken konnte. Wie, wenn jener junge Mann mit seinem ernsten Wort Recht behielt? Sie sah und merkte, wie alle ihre guten Werke aus Selbstsucht ent­sprungen waren. Noch wollten die Gedanken sich entschuldi­gen, aber immer deutlicher war es ihr: »Du bist zu stolz gewe­sen, deine Sünden einzugestehen. Du meintest, JESUS, als dei­nen Reiter, nicht zu brauchen. Nun wirst du ein Ende nehmen mit Schrecken.« So ging es die ganze Nacht hindurch.

Am nächsten Morgen schaute die Nachbarin bei ihr herein, fand sie in Tränen aufgelöst vor und fragte, was ihr fehle. ‑»Was mir fehlt? Oh, mir fehlt alles, alles! Ich bin eine gottlose, hochmütige Sünderin. Ein übertünchtes Grab bin ich gewesen. Ich hielt so viel von mir und verachtete andere, und nun erken­ne ich, dass ich eine von den Schlimmsten gewesen bin. Jetzt sehe ich es ein, aber ich fürchte, es ist zu spät. ‑ Gibt es wohl noch Gnade für mich?«

Die Nachbarin dankte in ihrem Herzen dem HERRN JESUS für Sein Gnadenwirken im Leben von Frau Winterfeld. »Ja«, antwortete sie, »es ist Gnade für dich da, wie für jeden, der mit seiner Schuld zu JESUS kommt. 'Denn es ist ein durchaus zu­verlässiges Wort, und es ist wert, unbedingt angenommen zu werden, dass JESUS CHRISTUS in die Welt gekommen ist, um Sünder zu retten.' Sobald du nur den Platz des Sünders ein­nimmst, sobald ist JESUS auch dein Heiland und Retter.«

Frau Winterfeld nahm diese Worte begierig auf und zögerte nicht länger. Sie kam zu JESUS, so wie sie war. Ihre ganze Sündenlast lud sie im Gebet bei dem HERRN JESUS ab und bat Ihn, dass Er ihr alles vergebe. Erst nachdem sie ihr ganzes Herz betend vor dem HERRN JESUS ausgeschüttet und Ihm alles bekannt hatte, was sie bisher von Ihm trennte, erfüllte Sein Friede ihr Herz. Sie erhielt die Gewissheit, dass JESUS ihr alle Sünden abgenommen und vergeben habe. Im Glauben nahm sie die Erlösung persönlich für sich in Anspruch, die der SOHN GOTTES auch für sie am Kreuz auf Golgatha längst vollbracht hatte. Aus ihrem Klagen und Weinen wurde bald ein Loben und Danken. Ja, sie dankte ihrem Erretter für Seine Lie­bestat am Kreuz, dass Er aus einem stolzen und selbstgerechten Menschen ein begnadigtes, erlöstes Gotteskind gemacht hatte.

Sie machte die glückselige Erfahrung, von der die Bibel spricht: »So viele Ihn aufnahmen, denen gab Er das Recht, Kinder GOTTES zu werden, denen, die an Seinen Namen glau­ben« (Johannes 1,12). Bisher stand ihr Name lediglich in einem Kirchenregister. Nun aber durfte sie sich der Gewissheit erfreuen, dass ihr Name im Himmel geschrieben stand. Bisher vertraute sie ihrer eigenen Gerechtigkeit, nun aber glaubte sie an Den, »der die Gottlosen gerecht macht« (Römer 4,5).

 

Lieber Leser, vielen ergeht es ebenso wie dieser alten Frau. Sie sind von den Stricken religiöser Selbst‑ und Werkgerechtigkeit gebunden. GOTT aber hat kein Interesse an unseren guten Werken und unserer Religiosität. Wir können dadurch unsere Sünden nicht wieder gutmachen. Viele nennen sich zwar »Christ« und haben doch nur eine bloße Religion. Man hält sich für »gläubig«, aber hat nur »den Schein eines gottseligen Wesens« (l. Timotheus 3,5).

Man hat den Namen, dass man lebt, und ist doch geistlich tot (Offenbarung 3,1). Man gehört zur Kirche und ist doch nicht errettet. Man geht zum Gottesdienst und ist doch auf dem Weg zur Hölle. Man kennt JESUS nur vom Hörensagen und hat Ihn doch nicht persönlich erlebt.

Viele geben auf die Frage, ob sie errettet sind und in den Him­mel kommen, zur Antwort: »Hauptsache, wir haben irgend­einen Glauben an irgendeinen Gott, ganz gleich, wie dieser Gott auch heißen mag.« ‑ Die einen sagen: »Ich glaube an den Herrgott!«, die anderen: »Ich glaube an die Natur!« oder: »Ich glaube an das Schicksal!« usw. Doch ein solcher »Glaube« kann natürlich nicht vor der Hölle erretten.

Die Bibel sagt: » Wenn du mit deinem Munde JESUS als den HERRN bekennst und mit deinem Herzen glaubst, dass GOTT Ihn von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet werden. Denn mit dem Herzen glaubt man an Ihn zur Gerechtigkeit, und mit dem Munde bekennt man Ihn zur Errettung« (Römer 10,9+10). Unsere Errettung besteht nicht in einer Religion oder Kirchenzugehörigkeit, sondern in einer Person: in JESUS CHRISTUS! ‑ Nur »wer den SOHN GOTTES hat, der hat das ewige Leben (l. Joh. 5,12). JESUS will vergeben, ret­ten und heilen. Er hat verheißen: »Siehe, Ich mache alles neu!« Wenn Sie diese Erfahrung noch nicht gemacht haben, dann nehmen Sie sich doch jetzt genügend Zeit zum Gebet, indem Sie Ihre Sünden einzeln mit Namen dem HERRN bekennen:

 

»HERR JESUS, ich komme, so wie ich bin, mit all meinen Sünden zu Dir. Obwohl ich mich "Christ" nenne, habe ich noch keine Gewissheit, für die Ewigkeit gerettet zu sein. Vergib Du mir bitte meine Sünden. Hier hast Du mich ganz! Ich will Dir gehören. Danke, dass Du für meine Schuld starbst, Amen.«


 


   

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