Was ist Glauben

Manche Menschen denken, der Glaube sei ein Nichtwissen. Wenn man weiß, braucht man keinen Glauben. Wenn man sagt, man glaube, dann wäre das das Gleiche als wenn man sagt: man weiß es nicht. Glauben ist dann sowas wie Vermuten. Dieses Verständnis von Glauben geht allerdings weit vorbei an dem, was die Bibel unter "Glauben" versteht. Der Glaube der Bibel weiß nicht alles, das ist richtig. Er sieht nicht alles, und doch ist er etwas ganz anderes als das Nichtwissen, Nichtsehen oder Vermuten!

 

Andere denken, der "Glaube" sei ein anderer Name für Ideale. Ein gläubiger Mensch ist dann einer, der bestimmte Ideale hat. Das kann in gewissem Sinne sogar zutreffen. Glaubende haben Ideale, weil sie ihr Leben an Gott orientieren. Doch die Ideale sind nur eine Folge des Glaubens. Glaube selbst ist etwas anderes, hat mit den Idealen nur sehr bedingt zu tun. Diese Sache mit den Idealen ist geradezu gefährlich. Denn viele Menschen wollen sich den Weg zum Himmel verdienen und denken, wenn sie nur schön den Idealen folgen wird Gott ihnen schon gnädig sein. Die Bibel hat ein Wort für diese Haltung: Werkgerechtigkeit. Menschen versuchen vor Gott durch ihre Werke gerecht zu werden. Doch das geht nicht - so das neue Testament. Keiner hat das je geschafft!

 

Wir stoßen auf unserer Tour durch den Hebräerbrief heute auf eine Stelle, in der es um den Glauben geht. Es wird Glaube hier geradezu definiert - es heißt:

 

Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. Hebräer 11: 1

 

Glaube als feste Zuversicht - das ist kein Vermuten mehr, auch keine Ideale. Glaube ist zielorientiert und beziehungsorientiert. Hoffnung hat ein Ziel und einen Inhalt. Hier geht es zuerst um diese Zuversicht, um die Festigkeit der Hoffnung. Glaube ist alles andere als weich oder unkonkret, wenn er so betrachtet wird. Es wird hier aber auch klargestellt, daß man hofft und nicht hat, wenn man glaubt. Es wird klar gesagt, daß wir im Glauben leben, nicht im Schauen. Wir haben bzw. sehen noch nicht. Was konkret ist gemeint?

 

Das Reich Gottes wächst unsichtbar - so hat es Jesus festgestellt. Der Geist Gottes verändert Menschen, doch er ist nicht direkt sichtbar. Der Geist Gottes gibt Zuversicht, doch sie bleibt Hoffnung, nicht Sicherheit! Dabei ist zuerst da die Zusage Gottes in Jesus Christus, auf die hin wir ihm vertrauen können. Weil Gott uns liebt, weil er alles tut, um uns gerecht zu machen, darum dürfen wir ohne jeden Hauch von Zweifel ihm vertrauen und an ihn glauben. Wir sehen ihn nicht - und doch haben wir eine feste Zuversicht.

 

Sie fragen sich vielleicht, ob man als glaubender Mensch auch Zweifeln darf? Ich denke: ja, jeder darf zweifeln. Nur wird beständiger Zweifel uns nicht weiterbringen. Zweifel darf auftreten, aber er muß und soll überwunden werden. Zweifel kann überwunden werden, weil Gott uns unendlich viel gegeben hat, weil sein heiliger Geist ein Geist der Weisheit und der Erkenntnis ist. Wo aber Erkenntnis Gottes geschieht, da wird Glaube gestärkt und Zweifel verschwindet. Was bleibt ist die wachsende und gefestigte Zuversicht. Zweifel fragt den Glauben an. Im vollendeten Glauben ist kein Zweifel mehr. So kann Glaube reifen und sich festigen, wenn Menschen Jesus Schritt um Schritt in allem nachfolgen.

 

In den Evangelien ist die Geschichte vom Hauptman von Kapernaum erzählt. Auch hier ist es die "feste Zuversicht" dieses Hauptmannes auf das Wort Jesu hin, welche Jesus als absolut außergewöhnlichen Glauben herausstellt. Wir sind aufgerufen und eingeladen, es ihm gleich zu tun. Kommen Sie mit und folgen Sie Jesus? Er hat gesagt: kommt alle her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid. Das dürfen wir heute tun!


   

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